Populisten sind weltweit auf dem Vormarsch: In den USA hat Donald Trump die Chance, amerikanischer Präsident zu werden. In Frankreich möchte Marine Le Pen neue Staatspräsidentin werden. In Ungarn regiert Victor Urban, in Deutschland feiert die AfD Wahlerfolge. In Österreich könnte zum ersten Mal ein Rechtspopulist Bundespräsident werden und in Großbritannien feierten die Brexit-Befürworter um Nigel Farage und Boris Johnson einen überraschenden Sieg beim Referendum im Juni. Ist der (rechts-)populistische Vormarsch weltweit unaufhaltsam? Das ist sicher nicht der Fall. Aber umgekehrt gibt es auch kein Patentrezept, das sicher gegen Rechtspopulismus wirkt. Dennoch gibt es vielversprechende und wenig aussichtsreiche Ansätze deren Vor- und Nachteile im Folgenden analysiert werden.

Ansatz 1: Fakten, Fakten, Fakten

Dieser Ansatz ist naheliegend. Populisten, die weit überwiegend mit Stimmungen und Emotionen arbeiten, mit überlegenem Faktenwissen zu entlarven. Zahlen und Argumente gegen Gefühle. In der Praxis geht jedoch dieser eigentlich rationale Ansatz häufig ins Leere. Populisten und seriöse Politiker reden oft aneinander vorbei. Sie sprechen unterschiedliche Ebenen an. Gegen subjektive Gefühle mit objektiven Fakten vorzugehen, ist für seriöse Politiker zwar Pflichtprogramm, aber alleine niemals ausreichend. Der Populist lebt davon, Menschen aus der Seele zu sprechen. Er erzählt seiner Wählerklientel das, was sie hören möchte. Diese schottet sich ziemlich rigoros gegen Argumente, Fakten und Zahlen ab, die nicht in ihr Weltbild passen. Daher ist dieser Ansatz nicht besonders viel versprechend. Nicht desto trotz muss er auch angewendet werden, wohlgemerkt auch. Dies ist jede/r seriöse Politiker/in sich selbst und seinen Wählern/innen schuldig. Allerdings müssen weitere Ansätze hinzukommen, um dem (Rechts-)Populismus erfolgreich zu begegnen.

Ein praktisches Beispiel sind die gescheiterten Brexit-Gegner. Sie hatten diverse Zahlen und Fakten auf ihrer Seite, die immer wieder relativ emotionslos herunter gebetet haben. Erfolg? Sie verloren dennoch. Gegen die Gegenseite und deren Stimmungsmache kamen sie einfach nicht an. Nur einen Tag nach dem Referendum musste die Gegenseite ihre falschen und unhaltbaren Zahlen zum gewünschten Brexit einkassieren, aber da war das Referendum bereits gelaufen.

Ansatz 2: Beschimpfung und Ausgrenzung der populistischen Wähler

Dieser emotionale Ansatz ist ebenfalls verständlich. Wenn die Vielzahl der vorgetragenen Zahlen, Fakten und Argumente nichts bringen, ist es naheliegend, dann Wähler eines Rechtspopulisten oder einer rechtspopulistischen Partei als „Anti-Demokraten“, „Rassisten“, „Idioten“ etc. zu beschimpfen und auszugrenzen. Dieses Vorgehen ist jedoch gleich doppelt ungeschickt: 1. Die Wähler der populistischen Partei werden an diese gebunden, ein Trotz-Effekt setzt ein. 2. Eine Beschimpfung von Wählern gefällt auch nicht allen Wählern, die diese Partei gar nicht gewählt haben. Eine ungewollte Solidarisierung mit der populistischen Partei und ihren Anhängern könnte somit befördert werden.

Darf man Rassisten also nicht Rassisten nennen? Doch, aber es wäre klug, sich auf das politische Personal der rechtspopulistischen Partei zu konzentrieren. Zudem sollten nur wirkliche Rassisten so genannt werden. Wenn das Wort als Keule inflationär gebraucht wird, dann stumpft das Argument irgendwann ab. In hochemotionalen Auseinandersetzungen mit Populisten werden jedoch meistens alle kühlen Überlegungen verdrängt.

Ansatz 3: Humor als Waffe

Humor kann in der Politik eine scharfe Waffe sein. Eine Pointe im richtigen Moment oder Schlagfertigkeit kann Populisten, die oft in ihrer Persönlichkeitsstruktur egozentrisch und humorfrei sind, alt aussehen lassen und mehr entlarven, als alle gut gemeinten Argumente, Fakten und Zahlen zusammen. Insofern handelt es sich hier um einen zunächst sehr vielversprechenden Ansatz. Er scheitert jedoch in vielen Fällen an unterschiedlichen Faktoren: 1. Auch viele seriöse Politiker/innen sprühen nicht gerade vor Esprit, Schlagfertigkeit und Humor. Daher fehlt es ihnen an der Fähigkeit, ein solches Mittel anzuwenden. Verkrampfter Humor wäre kontraproduktiv. 2. Sobald sich der Humor nicht auf den Populisten, sondern auf dessen Wähler bezieht, wird es kontraproduktiv. Dann setzt der im Ansatz 2 beschriebene Effekt ein. Richtig gebraucht ist Humor also eine scharfe Waffe gegen Populisten, aber nur wenige wissen sie zu gebrauchen. Falsch angewendet richtet sie sich sogar gegen de/die seriöse/n Politiker/in.

Dass sich Angela Merkel gegen die AfD oder Hillary Clinton gegen Donald Trump mit Humor, Schlagfertigkeit und Esprit erfolgreich zur Wehr zu setzen, ist nur sehr schwer vorstellbar.

Ansatz 4: Gegnerische Wähler überzeugen bzw. ihnen ein Angebot machen

Dieser Ansatz ist der schwerste und zeitaufwändigste. Sofern nur dieser Ansatz angewendet werden würde, wäre dies wenig erfolgversprechend. Die Wähler populistischer Parteien sind nur sehr schwer oder gar nicht durch Fakten, Argumente oder Zahlen zu erreichen, siehe die Analyse bei Ansatz 1. Schwierig, aber etwas vielversprechender ist es vielleicht, positive Emotionen zu wecken. Dass ein Bemühen erkennbar ist, die verlorenen Wähler für etablierte Parteien zurückzugewinnen und ihre Ängste und Sorgen aufzunehmen und hierfür seriöse Antworten zu geben, ohne den Wählern nach dem Mund zu reden. Dieser Ansatz scheitert jedoch in sehr vielen Fällen aus zwei Gründen: 1. Gegner der populistischen Parteien haben hierfür oft nicht das geringste Verständnis. Anhänger und Gegner populistischer Parteien haben sich nichts (mehr) zu sagen, der Hass gegeneinander steigt. Ein Bemühen um diese Wähler kann daher von den eigenen Anhängern missverstanden werden und diese verprellen. 2. Der Ansatz ist enorm anstrengend. Er bedeutet hohen Aufwand und nur geringen Ertrag. Wahlstrategisch ist er somit falsch. Trotzdem sind seriöse Politiker/innen verpflichtet, die Brücken zu Wählern populistischer Parteien nie ganz abreißen zu lassen. Eine Umkehr oder ein Zurückkehren dieser Wähler muss offen gehalten werden. Daher muss dieser Ansatz eine Rolle spielen, aber nur als Pflichtprogramm. Zu viel Zeitaufwand hierfür wäre für die Wahl aus strategischen Gründen fatal.

Ansatz 5: Mobilisierung der Gegner des Populisten und der eigenen Wählerklientel

Hierbei handelt es sich um den banalsten, aber gleichzeitig wichtigsten Ansatz. Jeder Populist kann nur einem Teil der Wähler aus der Seele sprechen, einen anderen Teil muss er zwangsläufig verprellen. Diese Wähler müssen eingefangen und am Wahltag mobilisiert werden. Hierbei müssen bunte Wählerkoalitionen gegen den Populisten bzw. die populistische Partei gebildet werden. In den USA ist Hillary Clinton beispielsweise dabei, eine bunte Wählerkoalition gegen Donald Trump zu schmieden.

Ein Problem für etablierte Parteien ist, dass die Populisten ihre Wählerklientel meistens sehr gut mobilisieren. Hiermit tun sich die Etablierten oft sehr viel schwerer. Daher ist es wichtig, dass dieser Ansatz aufgrund der anderen vier Ansätze nicht unter die Räder kommt. Die eigene Wählerklientel muss mobilisiert werden. Hierfür muss viel Zeit aufgewendet werden, mehr als für alle anderen Ansätze. Multiplikatoren müssen die eigene Botschaft weitertragen und bei Gegnern des Populisten dessen Gefahr verbreiten. Zielgruppenspezifische Werbung ist hierbei hilfreich. Emotionalisierung ist hierbei ebenfalls von Vorteil. Gleichzeitig sollte die Mobilisierung so angelegt sein, dass sie möglichst nicht die Gegenseite zusätzlich mobilisiert. Bis zu einem gewissen Grat ist dies jedoch wohl unvermeidbar. Weiterhin darf sich der Gegenkandidat des Populisten sich möglichst nicht von den eigenen Gefühlen zu sehr mitreißen lassen. Ein schmaler Grat.

Fazit: Die Mischung machts und gute Politik ist Voraussetzung für weniger Populismus

Gegen talentierte und mit allen Wassern gewaschene Populisten antreten zu müssen, ist alles Andere als eine einfache Aufgabe. Hierbei haben deutsche Politiker noch vergleichsweise Glück. Die führenden Politiker der AfD können in der Rhetorik oder in ihrem Unterhaltungswert keinesfalls mit einem Donald Trump oder einem Boris Johnson mithalten. Doch im Kern haben viele Politiker etablierter Parteien in sehr vielen westlichen Ländern das gleiche Problem, sich nämlich mit erfolgreichen rechtspopulistischen Parteien oder Kandidaten auseinandersetzen zu müssen. Diese stoßen bei einem großen Teil der Wählerschaft auf wachsende Resonanz. Dies stellt für alle westlichen Demokratien eine echte Herausforderung dar. Ein länderübergreifendes Patentrezept gegen Rechtspopulisten gibt es nicht. Hierfür gibt es zwischen den Ländern auch zu viele Unterschiede. Aber nicht mal für ein einzelnes Land könnte man das eine Patentrezept gegen Populismus ausmachen. Vielmehr ist der politische Kampf langwierig und von vielen Enttäuschungen und Rückschlägen geprägt. Es gibt nicht den einen Ansatz, Rechtspopulisten zu stoppen. Vielmehr ist eine Kombination diverser Ansätze sinnvoll. Zudem sind manche Ideen weniger, andere sind mehr erfolgversprechend.

Für die Demokratie ist es erschreckend, wie viele Menschen offenbar nicht mehr von den etablierten Parteien erreicht werden, länderübergreifend. Das spricht für ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber politischen Eliten. Zwischen den politischen Eliten und den verschiedenen Bevölkerungen ganz unterschiedlicher Länder haben sich offensichtlich Gräben aufgetan, gerade auch in der Sprache. Genau dies wird von (Rechts-)Populisten instinktsicher ausgenutzt. Für die Stabilität der Demokratie muss daher die Kluft zwischen der politischen Elite und der Bevölkerung unbedingt wieder kleiner werden – und das gelingt neben besserer Kommunikation auch durch gute Politik, die möglichst vielen Menschen hilft und gut erklärt wird. Dann gibt es auch kaum Erfolgschancen für Populisten jeglicher Couleur. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ist damit zu rechnen, dass in vielen Ländern Populisten auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden. Doch ihr Aufstieg ist nicht unaufhaltsam.

Diese Liste ist nicht abschließend und wir arbeiten selbst im Rahmen unserer Agenturtätigkeit daran, erfolgsversprechende Strategien zu entwickeln. Ihr habt noch andere Ideen für Strategien gegen Populismus? Dann her damit -> „hallo (dieses spezielle Zeichen) politicom.de“ oder „a.koch (dieses spezielle Zeichen) politicom.de.“