Am Ende packt man zusammen, hängt Plakate ab, vernichtet alte Flyer und ist froh einen Wahlkampf erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Ein Rückblick ist umso schöner, je besser das Ergebnis war. Und das Ergebnis dieses Wahlkampes kann sich sehen lassen, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle hakte. Insgesamt war die SPD Weiterstadt mit dem Wahlkampf und den von politicom angebotenen Leistungen sehr zufrieden. Im Folgenden möchte ich kurz die größten Probleme, besten Maßnahmen und erfolgreichsten Aktionen erläutern.

Probleme bei der Plakatierung

Wie in Artikel 4 Printwerbemittel berichtet, setzte die SPD mehrere Plakate ein. Normale DIN A1 Plakate für die Flächen und punktuell auch Großflächenplakate. Die größten Probleme verursachten die Großflächenplakate.

Es begann zunächst mit dem Umstand, dass die FDP zwei Stellflächen in Anspruch nahm, ohne die Stadt in Kenntnis zu setzen, was zu einem finanziellen Schaden der SPD führte. Im November 2010 hatte die SPD bei der Stadt Weiterstadt einen Antrag gestellt, Großflächenplakate aufstellen zu dürfen. Die Stadt teilte mit, dass die SPD alle vier Stellplätze (siehe Bild rechts) in Anspruch nehmen kann, wenn keine andere Partei Stellenflächen haben möchte. Nachdem die SPD Rücksprache mit den anderen Parteien hielt und diese signalisierten, keine GF-Plakate aufzustellen, beantragte die SPD alle vier Stellflächen und bekam diese von der Stadt dann auch genehmigt. Umso verwunderter waren die Genossen als sechs Wochen vor der Wahl plötzlich Plakatständer von der FDP in Braunshardt und im Westen Weiterstadts standen. Die Stadt genehmigte der SPD dann aber, die vorgesehenen Plakate neben die FDP-Plakate zu stellen.

Ein weiteres Problem war die Konstruktion der Plakatständer. Aus Kostengründen übernahm ein befreundeter Unternehmer der SPD Weiterstadt die Konstruktion und den Aufbau der Ständer für die Großflächenplakate. Da dieser Unternehmer aber selbst zum ersten Mal solche großen Ständer baute, entstanden Konstruktionsfehler, die sich im Laufe der Zeit noch rächen sollten. Die Plakate hielten nicht auf dem Kunststoff-Untergrund, trotz anrauen, jeder Menge Sprühkleber und am Ende sogar Tackernadeln. Mehrfach mussten die sich ablösenden Plakate nachgeklebt und aufwändig befestigt werden. Weiterhin war die Unterkonstruktion zu schwach für den starken Wind im Februar und März – es fehlten stützende Querverstrebungen. Der Plakatständer am Feldrand in Gräfenhausen löste sich nach rund zwei Wochen auf und verteilte sich über die Straße, weil er den starken Böen nicht mehr stand hielt. Zum Ende des Wahlkampfes machten die Großflächenplakate immer mehr Probleme und zwei von ihnen mussten sogar vorzeitig abgebaut werden bzw. wurden vom Wind zerstört.

Neben den selbst aufgestellten GF-Plakaten buchte politicom im Auftrag der SPD parallel Plakatflächen bei Einkaufsmärkten. Aber auch hier gab es Probleme mit der Plakatierung. Ursprünglich sollten im Weiterstädter Kaufland und im Edeka in Weiterstadt beide Motive der Großflächenplakate abgebildet werden. Im Kaufland kam es aber nicht zu einer Plakatierung. Nur im Edeka wurden die Plakate ordnungsgemäß zwei Wochen vor der Wahl aufgehängt (siehe Bild rechts).

Bei der Plakatierung achtete die SPD natürlich auf eine strategisch günstige Aufstellung der Plakate. Sprich Ein- und Ausfahrtsstraßen und am besten mehrere Plakate hintereinander, damit ein Wiederholungseffekt auftritt. Die politische Konkurrenz tat ihr Übriges. An manchen Stellen, wie Bushaltestellen o.a. drängten sich die Plakate förmlich auf (siehe Bild rechts).

Die Plakate der Konkurrenz

Die Union kam im einheitlichen Design und mit dem Slogan "Weiterstadt weiter vorn" daher. Die gesamte Gestaltungslinie wurde einheitlich vom Landesverband vorgegeben und hatte einen professionellen Charakter. Lediglich die Schriftfarbe und Schriftgrößen waren etwas zu dunkel und zu klein, um sie aus dem fahrenden Auto gut lesen zu können.

Die ALW machte ihren Straßen-Wahlkampf, wie sie ihn schon immer machte. Gelbe Plakate im Format DIN A1 mit dem Slogan "Mit uns in die Zukunft". Mit einem großen Filzstift beschrieben sie die Freifläche in der Mitte. Somit konnten die Forderungen der ALW in den Ortsteilen, an gefährlichen Straßen, in der Nähe von Kindergärten und Schulen pointiert und passend zum Standort formuliert werden. Nachteilig war allerdings die amateurhafte Anmutung, wobei das bei einer Alternativen Liste auch gewollt sein könnte, und die schlechte Lesbarkeit. Gerade im Dunkeln oder wenn man etwas schneller mit einem Auto vorbeifuhr, war es kaum möglich den Text zu lesen.

Die Bürgerpartei ging es, ähnlich wie die ALW, relativ schlicht an, verwendete aber Kunststoffplakate in DIN A1, die somit witterungsfest und auch leicht an höheren Stellen zu befestigen waren. Das Motiv ist denkbar einfach: Einige zusammenstehende Silhouetten von Menschen bildeten die "Bürger". Slogan war "Politik für Bürger" und in der Mitte stand in kursiver, kaum lesbarer Schrift "gemeinsam füreinander". Von der Schlichtheit des Plakates mal abgesehen, eignete es sich nicht, um gut ins Auge zu fallen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Einen klassischen Oppositionswahlkampf führten die Freien Wähler Weiterstadt. Deren Plakate im Format DIN A1 waren relativ schlicht und einfach, verfehlten aber nicht ihre Wirkung. Die FWW kam weitestgehend ohne Slogan aus und wandte ein ähliches Verfahren wie die ALW an: Botschaften zu den passenden Standorten der Plakate. Wie das Bild zeigt, waren die Texte aber groß genug, um sie komfortabel zu lesen. Außerdem waren die oft polemischen Botschaften wie "Weiterstadts Schuldenkönige ALW & CDU" nicht handschriftlich, sondern mit aufgeklebten Störern im Format DIN A2 bzw. DIN A3 aufgebracht.

Neu angetreten und direkt mal einen Schnitzer landeten die Piraten. In Weiterstadt plakatierten sie: "Wir sind Dein Fuß in der Tür zum Rathaus!". Dumm nur, dass die Piraten in Weiterstadt gar nicht antraten und demnach auch nicht auf dem Wahlzettel standen. Sollten es die Piraten geschafft haben, ein paar wahlmüde Bürger an die Urnen zu bewegen, so mussten diese jäh enttäuscht werden – kein Freibeuter weit und breit in Weiterstadt. Zur Ehrenrettung muss man erwähnen, dass die Piraten zumindest auf Kreisebene antraten. Der Schnitzer mit dem Rathaus bleibt aber – so hatten wir auch mal was zu lachen im Wahlkampf.

Wahlergebnisse – Was es am Ende gebracht hat

Es ist schwer bis unmöglich, Wahlergebnisse auf bestimmte Wahlkampfaktionen zurückzuführen. Es ist zwar möglich den Gesamterfolg einer Kampagne zu messen – einzelne Aktionen bleiben aber, wegen des fehlenden Isolationskriteriums, unberücksichtigt. In dem Artikel "Mythos Wahlentscheidung – Probleme bei der Erforschung" gehe ich detaillierter auf dieses Thema ein.

Die Ergebnisse der Kommunalwahl in der Übersicht:

 

Partei / Wahlverein 2011 2006 Veränderung in %
CDU 24,5 % 29,7 % – 5,2 %
SPD 42 % 39,7 % + 2,3 %
Alternative Liste 20,6 % 22,6 % – 2 %
Freie Wähler 9,5 % 8 % + 1,5 %
Bürgerpartei 3,4 %

+ 3,4 %

Deutliche Verluste für CDU und ALW

Wie die Tabelle zeigt, verloren die beiden Regierungsparteien ALW und CDU zusammen rund 7,2 % der Wählerstimmen. Vor allem die CDU musste mit 5,2% stark Federn lassen. Hier haben neben der Koalition in Weiterstadt mit Sicherheit auch die schlechteren Umfragewerte der Union im Bund eine Rolle gespielt. Denn der Kursschwenk von Kanzlerin Angela Merkel nach der Atomkatastrophe in Fukushima war nach Auffassung vieler Bürger wenig bis gar nicht glaubwürdig.

Die ALW, die sich den Grünen zugehörig fühlt, konnte von dem grünen Trend bei dieser Wahl nicht profitieren. Allerdings bleibt fraglich, ob der Verlust an dem Etikett "ALW" oder an der bisherigen Politik der ALW-CDU-Kooperation lag. Unter Umständen hätte die ALW, wäre sie als Weiterstädter Ableger der Bündnis-Grünen angetreten, ein deutlich besseres Ergebnis erzielen können.

Bürgerpartei (BP) holt 3,4% und einen Sitz

Ein weiterer Faktor, der sich negativ auf die Koopertion von ALW und CDU auswirkte und das Stimmverhältnis in der Stadtverordnetenversammlung veränderte, ist die Weiterstädter Bürgerpartei, die bei dieser Kommunalwahl das erste Mal antrat und mit 3,4% der Gesamtstimmen ein Mandat errang. In Zeiten, wo breit über das Thema Bürgerbeteiligung und die Entfremdung von Politik und Volk diskutiert wird, konnte die Bürgerpartei mit der simplen aber eingängigen Forderung nach mehr Beteiligung punkten. Allerdings ist zu erwähnen, dass der Vorsitzende der Bürgerpartei früher bei der CDU war und ggf. aus dem dortigen Lager einige Stimmen holen konnte. Obwohl sich die Bürgerpartei die Bürgerbeteiligung auf die Fahnen schrieb, nahm sie es am Ende mit dem gewonnenen Mandat in der Stadtverordnetenversammlung nicht ganz so ernst. Denn die ersten vier Kandidaten verzichteten auf ihr Mandat – sodass der fünfte Kandidat zum Zuge kam. Da fragt man sich als politisch Interessierter dann schon, warum sie überhaupt antreten, wieso sie sich angeblich für die Bürger stark machen wollen, wenn ein Großteil dann das Mandat nicht annimmt?!

Die Bürgerpartei beging entweder bewusst – weil zu wenig Kandidaten vorhanden waren – oder unbewusst einen schweren wahltaktischen Fehler. Auf der Liste der BP standen nur zehn Kandidaten. Wenn ein Wähler die Gesamtliste der BP ankreuzte, wurden immer 7 Stimmen verschenkt, da nur 30 von 37 Stimmen über das Listenkreuz vergeben werden konnten. Die BP hätte also mindestens 13 Kandidaten aufstellen müssen, um das ganze Potenzial von Listenkreuzen heraus holen zu können.

SPD und FWW gewinnen

Die Oppositionsparteien der vergangenen Legislatur konnten Gewinne verbuchen. Während die Freien Wähler ihr Ergebnis um 1,5% verbesserten, legten die Sozialdemokraten sogar 2,5 % zu, knackten damit die 40%-Grenze und gewannen einen Sitz dazu.

Die Sitzverteilung in der neuen Stadtverordnentenversammlung sieht folgendermaßen aus:

Da die SPD nun 16 Mandate stellt und somit auch 5 Magistratsposten entsenden kann, kommt grundsätzlich keiner mehr bei der Bildung einer Regierung an der SPD vorbei. Dies war auch das erklärte Wahlziel – mindestens ein Mandat zusätzlich zu erringen und die Kooperation von CDU und ALW zu beenden.

Detailanalysen: Hausbesuche waren erfolgreich

Bei einer Detailanalyse der einzelnen Wahlbezirke fällt auf, dass die SPD gerade in Braunshardt und Schneppenhausen enorm zugelegt hat. Dies ist zum einen auf viele neue SPD-Kanidaten in den Stadtteilen, aber auch auf die flächendeckenden Hausbesuche in Braunshardt und Schneppenhausen zurückzuführen.

Die Wahlergebnisse der SPD nach Stadtteilen:

Stadtteil 2011 2006 Veränderung in %
Weiterstadt 39,5 % 39,6 % – 0,1 %
Braunshardt 39,1 % 30,4 % + 8,7 %
Gräfenhausen 40,9 % 42,2 % – 1,3 %
Schneppenhausen 53,0 % 41,4 % + 11,6 %
Riedbahn 47,6 % 40,4 % + 7,2 %
Briefwahlen 44,4 % 43,5 % + 0,9 %

Fazit – Erfolgreicher Wahlkampf mit guten Methoden

Der Wahlkampf für die SPD Weiterstadt war ein voller Erfolg und das zeigte sich auch im Ergebnis. Die SPD ist inzwischen eine Kooperation mit der ALW eingegangen und hat somit eine satte Mehrheit im Stadtparlament. Nach einer detaillierten Analyse der Umstände zur Wahl sollten folgende Aktionen besonders hervorgehoben werden, da sie sehr erfolgreich waren:

  • Broschüre (wurde mehrfach sehr gelobt, wegen des persönlichen Bezuges der Kandidaten)
  • Hausbesuche (wegen direktem Draht zu den Bürgern)
  • Großflächenplakate (wegen enormer Wirkung)

Jetzt muss die SPD Weiterstadt gute Politik für die Bürger machen und halten, was sie versprochen hat.