Als zukunftsorientierter Ortsverein mit einem modernen Kommunalwahlkampf spielte das Internet für die Weiterstädter SPD eine entscheidende Rolle. Denn hier konnte sie sich gerade bei jüngeren Kandidaten einen Namen machen. Der Erfolg gab ihnen schließlich Recht. Die Zugriffszahlen der SPD- Website haben sich im Vergleich zur "normalen" Zeit während der abgelaufenen Legislaturperiode fast verdoppelt und auch bei der ein oder anderen Facebook-Aktion haben Freunde und Bekannte der Kandidaten mitgemacht, die sonst eher weniger mit Politik in Berührung kommen.

Verwendete Instrumente

Bei dieser Kampagne kamen nur sehr wenige Tools zum Einsatz. Dies waren:

  • Die eigene Website als Dreh- und Angelpunkt
  • Facebook als "Hauptnetzwerk"
  • Wer kennt wen für die ältere Zielgruppe
  • E-Mail Verteilerfür die interne Kommunikation
    • zwischen Kampagnenmanagement und Kandidaten
    • zwischen Kampagnenmanagement und Parteimitgliedern

Andere Onlinewahlkampf-Tools wie YouTube-Videos oder Twitter wurden aus Kosten-, Zeit- und Effektivitätsgründen verworfen. Die Erfahrungen aus vergangenen Wahlkämpfen und Kampagnen zeigten, dass Kanäle wie Twitter eher von Experten und weniger von "normalen" Bürgern genutzt werden. YouTube wäre ein tolles und mit Sicherheit auch erfolgreiches Add-on geworden, da sich die meisten lieber bewegte Bilder anschauen als einen Text zu lesen. Doch die Kosten für eines oder mehrere ordentliche Videos wären zu hoch gewesen.

Website der SPD Weiterstadt

Im Web sollte die Individualität genauso hervorgehoben werden wie in der Broschüre. Und gerade im Web ist es deutlich einfacher und kostengünstiger viele Informationen über die Kandidaten bereitzustellen. Für die Kommunalwahl entwickelte politicom eine eigene Rubrik mit eigener Navigation. Als Wahlempfehlung diente eine Seite, auf der "zehn gute Gründe SPD zu wählen" verfasst waren. Die Website diente auch als erweiterter Informationspool. Denn nur dort war das gesamte, mehrere Seiten umfassende Wahlprogramm der SPD hinterlegt. Durch die Fülle an Wahlzielen konnte es nicht in Gänze in die Broschüre integriert werden. Deshalb gab es auf allen Publikationen einen Verweis auf die Homepage der SPD.

Neben den Inhalten wurden einige gestalterische und inhaltliche Änderungen an der Website vorgenommen. Der Header der alten Homepage wurde ausgetauscht und durch einen zur Kampagne passenden Header ersetzt. Die Verweise auf die Bundes- und Landtagsabgeordneten auf der rechten Seite wurden ausgeblendet. An anderen Stellen gab es Banner, die zu Informationen zum komplizierten Wahlrecht "Kumulieren & Panaschieren" und zur Website der Kreis-SPD führten. Wie die Statistikauswertung zeigte, waren die Klicks auf den Banner der Kreis-SPD sehr durchwachsen. Der Verweis auf das Wahlrecht wurde dagegen sehr häufig angeklickt.

Die individuellen Porträts aller Kandidaten waren das Highlight der Website und wurden neben den "Zehn Gründen…" auch am meisten geklickt. Wobei vor allem netzaffine Kandidaten, die auch in Social Networks unterwegs sind und zum Beispiel bloggen oder twittern, von dem Internetangebot zusätzlich profitierten und damit einen doppelten Nutzen hatten. Durch ihre Präsenz im Web laden sie Freunde und Bekannte ein, sich auch mal das politische Profil genauer anzuschauen. Der jüngste Kandidat wurde zehn mal häufiger angeklickt als der älteste Kandidat auf der Kommunalwahlliste. Die Porträts waren stark an die Broschüre angelehnt und enthielten im Kern die gleichen Informationen. Manche Kandidaten nutzten zusätzlich zum Standardporträt die Möglichkeit ein paar Zeilen über sich zu schreiben sowie Hobbys und Vereinsmitgliedschaften anzugeben.
 

Facebook

Facebook war die zweite Hauptsäule im Internetwahlkampf. In keinem Netzwerk kann man in so kurzer Zeit so viele Menschen erreichen – da ist es selbstverständlich Facebook als Online-Tool einzusetzen. Zumal die jüngeren Kandidaten sowieso dort angemeldet sind und ohne viel Umstand oder zusätzliche Arbeit an der Kampagne partizipieren konnten.

Um einen gewissen überparteilichen Charakter zu wahren und auch nach der Wahl noch von Relevanz zu sein, gründete die SPD die Gruppe "Mehr Demokratie leben". In dieser Gruppe wurden die Facebook-Aktivitäten zentral koordiniert und gebündelt. Die einzelnen Kandidaten machten mit Einträgen auf der eigenen Pinnwand zusätzlich Werbung für die Kampagne.

Um viele Leute in die Gruppe zu bekommen, trommelten die Kandidaten und warben für eine Mitgliedschaft in der Gruppe. Zur Unterstützung diente eine Mini-Abstimmung über das Kandidatenfoto. Sieben Kandidaten stellten zwei verschiedene Bilder, die später in allen Publikationen verwendet werden sollten, zur Abstimmung. Um abstimmen zu können, musste man aber Mitglied der Gruppe "Mehr Demokratie leben" sein. Dann konnte man als Kommentar das favorisierte Bild des Kandidaten benennen – entweder oben oder unten. Nach einer Frist von rund einer Woche wurde gezählt und das Ergebnis verkündet. Da teilweise bis zu 30 Kommentare pro Bild eingegangen sind, erhielten nach Beendigung der Abstimmung alle Personen, die mitmachten, eine Information über den Status und welches Bild letztendlich ausgewählt wurde. Durch diese Abstimmung beteiligten sich viele Leute aktiv an der Kampagne und konnten – zwar nur minimal, aber immerhin – Einfluss auf die Kampagne ausüben.

Natürlich diente Facebook auch als Informationsplattform. Es gab Einträge und Kommentare zu Veranstaltungen und Aktionen. Gegen Ende des Wahlkampfes wurde jeden Tag eine Person vorgestellt, die auch in Facebook angemeldet ist. Durch die Funktion "Teilen" multiplizierte der jeweilige Kandidat die Botschaft aus der Gruppe und transportierte sie zu den eigenen Freunden.

Gerade für die jungen Kandidaten dürfte Facebook eine gute Möglichkeit gewesen sein, sich auch als Politiker und Kandidat zu präsentieren und bei Gleichaltrigen für die Wahl zu werben. Schließlich leiden Kommunalwahlen seit Jahrzehnten an niedrigen Wahlbeteiligungen, obwohl man selbst als Wähler viele der handelnden Akteure aus dem täglichen Leben kennt. Sie sind gar nicht so "weit weg" wie Berlin oder Wiesbaden.